Andacht

Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.   

1.Joh 4,19

Während ich dies schreibe, sind Coronaviren Gesprächsthema Nr. 1. Während die einen Schreckensszenarien an die Wand malen, sagen die anderen, alles sei nicht so schlimm.
Aber was ansteckt und sich verbreitet, macht in der Regel eher Angst, das gilt auch für Computerviren.
Aber mitten in dieser Sorge vor Viren aller Art tut es uns vielleicht besonders gut, uns auf das zu besinnen, was ansteckt und positiv ist. Nächstenliebe. Jesus hat angefangen mit dieser Nächstenliebe. Gerade in der Passionszeit, wo wir an sein Leiden und Sterben denken, wird uns seine große Liebe bewusst. Und Jesus, das können wir immer wieder bemerken, wollte, dass diese Liebe ansteckend ist, dass auch wir Menschen Nächstenliebe üben und dass die Nächstenliebe so übergeht von Mensch zu Mensch. Deshalb hat er Menschen die Füße gewaschen, deshalb hat er das Abendmahl eingesetzt, deshalb hat er gesagt: „Was ihr einem unter diesen meinen geringsten Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan.“ Und deshalb mahnt der Schreiber des 1. Johannesbriefes: Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.
Und es ist doch einmal einen Versuch wert. Nehmen wir uns doch immer wieder einmal Zeit, uns zu erinnern, wie sehr Jesus uns geliebt hat. Lassen wir es auf uns wirken, dass wir für Jesus wichtig und wertvoll sind. Und dann können wir es doch einmal versuchen, was passiert, wenn wir etwas davon weitergeben.  Ein Mann aus New York erzählt im Buch „Hühnersuppe für die Seele“, wie er mit einem Freund im Taxi durch die Stadt fuhr. Der Freund sagte am Ende: „Vielen Dank für die Fahrt. Sie haben wirklich großartige Arbeit geleistet.“ Der Taxifahrer war zuerst sprachlos, aber der Freund sagte: „Wirklich, ich bewundere, wie Sie in dem starken Verkehr ruhig bleiben.“ Als der Erzähler hinterher nachfragte, was das sollte, meinte der Freund: „Ich will die Liebe nach New York zurückbringen.“ Der Erzähler zweifelte, ob das viel brächte, wenn ein einziger Mann die Freundlichkeit weitergeben würde. Aber der Freund rechnete ihm vor: „Es ist nicht ein einziger Mann. Ich glaube, ich habe dem Taxifahrer eine unheimliche Freude gemacht. Nimm an, er hat 20 Fahrgäste. Er wird zu diesen 20 Fahrgästen nett sein, weil jemand nett zu ihm war. Diese Fahrgäste werden im Gegenzug freundlicher zu ihren Angestellten oder Verkäuferinnen oder Kellnerinnen oder sogar zu ihren Familien sein. Schließlich wird sich das Wohlwollen auf über 1000 Menschen ausdehnen. Das ist doch nicht schlecht, oder?“ „Aber du bist auf den Taxifahrer angewiesen, um dein Wohlwollen an andere weiterzugeben.“ „Ich bin nicht auf ihn angewiesen“, sagte der Freund. „Ich bin mir klar, dass das System nicht narrensicher ist, also werde ich heute vielleicht mit zehn verschiedenen Leuten zu tun haben. Wenn ich von den zehn Leuten drei glücklich machen kann, dann kann ich letztlich indirekt die Haltung von dreitausend weiteren beeinflussen.“
Ja, vielleicht ist es die Sache wert, ansteckende Liebe zu erweisen: durch ein freundliches Wort, einen helfenden Handgriff, ein Lob, ein Lächeln, ein gutes Wort oder unsere Anteilnahme. Gott schenke uns den Mut, es Tag für Tag zu versuchen. Und er schenke uns die Erfahrung: „Mach andern Freude, und du wirst merken, dass Freude freut.“
 
Ihre Pfarrerin

A. Weisensee