Andacht

Monatsspruch für Juli:

Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.
(Apg 17,27+28)

Manchmal sind wir einfach nicht da, wo wir hinwollen. Wegen Corona zuhause statt im Urlaub, bei einem Fest oder einem Treffen mit vielen netten Leuten. Oder in der Arbeit, statt frei zu haben. Oder am Grab eines geliebten Menschen. Oder krank im Bett statt gesund und munter. In diesem Jahr häufen sich die Situationen, wo wir einfach nicht dort sind, wo wir gern wären.
Aber wo wir auch sind, auf eines dürfen wir vertrauen: Gott ist dabei. Wie uns die Luft umgibt, so ist auch er um uns herum; wir sehen ihn nicht immer deutlich, aber wir leben von ihm. Das kann die Orte, wo wir uns befinden, vielleicht zum Guten verändern.
Klar wird aus einem Wohnzimmer so kein Festsaal und aus einem Aufenthalt im Krankenbett oder auf dem Friedhof kein Vergnügen. Und Gefühle wie Enttäuschung oder Trauer dürfen auch sein. Und doch kann es uns vielleicht helfen, daran zu denken, dass jeder Ort auch ein Ort ist, an dem Gott ist.
So verwandelt sich vielleicht das Zuhause vom unbefriedigenden Plan B in der Urlaubszeit zu einem Ort, an dem wir manches von Gottes Schöpferkraft entdecken und uns vielleicht freuen an Dingen, die wir im Alltag sonst wenig wahrnehmen, etwa an Blumen oder der schönen Landschaft, die wir auch zuhause haben oder an schönen Wolkenbildern.
Und die Arbeit verwandelt sich vielleicht vom Ort der Anstrengung zum Ort, wo wir erleben können, nützlich zu sein, etwas zu schaffen und gebraucht zu werden.
Friedhof oder Krankenbett können sich vielleicht vom Ort des Leides wandeln in einen Ort, wo trotz alledem Gott bei uns ist als Helfer und Tröster. Und so schenke uns Gott, dass wir seine Nähe spüren und dass sie den Ort, wo wir uns befinden zu einem besseren, lebenswerteren Ort macht.

Ihre Pfarrerin

A. Weisensee