Andacht

Hurra! Oder doch nicht Hurra? Es ist ja schon schön, wenn einige Kinder wenigstens stundenweise wieder in die Schulen dürfen. Es ist auch schön, wenn wir mal wieder Blumen oder Handwerkszeug kaufen können oder mal wieder zum Friseur dürfen. Und es ist schön, dass wir endlich wieder Gottesdienst feiern dürfen. Aber vieles fehlt noch: Oma und Opa besuchen bzw. die Enkel sehen, Treffen mit lieben Freunden, Feste auf dem Dorfplatz, Chorproben und gemeinsamer Gesang im Gottesdienst. So viel fehlt noch, und doch ist bei vielem, was wir tun die Angst vor einer neuen Coronainfektionswelle dabei.  
Für die Israeliten war es damals ähnlich. Hurra, endlich wieder in der Heimat! Aber: alles zerstört. Wiederaufbau mit kärglichen Mitteln, Rückschläge und Probleme. Der Weg zur Normalität nicht einfach. Da machte ihnen Gott Mut mit den Worten: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen. (Jes. 57,15)
Das kann wirklich Mut machen, auch uns: Gott wohnt in der Höhe. Aber er ist nicht weit weg von uns, sondern ist uns ganz nahe. Einer, der die Niedergeschlagenen nicht allein lässt. Gott wohnt bei uns. Gerade in schweren Zeiten ist er uns nahe. Aber er ist eben auch der, der in der Höhe wohnt. Nicht nur ein verständnisvoller, aber machtloser Begleiter. Sondern der, der auch aus der schlimmsten Lage noch das Beste machen kann. Gott, der Große und Mächtige, ist zugleich bei uns. Ihm dürfen wir deshalb unsere Fragen und Klagen, Ängste und Unsicherheiten anvertrauen. Dabei dürfen wir gewiss sein: Er versteht, wie es uns zumute ist. Er kann sich vorstellen, wie wir zwiegespalten sind in der Angst vor dem Virus andererseits und der Sehnsucht nach mehr Nähe andererseits. Und Gott kann und wird, nach seinem Plan, auf seine Art, mit seiner Macht die Dinge zum Besten wenden. Gott schenke uns, dass uns das die richtige Mischung aus Mut und Gelassenheit gibt. Amen.

Ihre Pfarrerin

A. Weisensee