Andacht

Monatsspruch für Juli:

Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn.
(Jak. 1,19)

„Mit ihm/ihr gehen die Pferde durch“, sagen wir manchmal, wenn jemand herumtobt oder herumschreit. Aber der Jakobus-Brief gibt uns einen weisen Rat, wie wir unsere Pferde steuern sollten. Schnell herantraben sollen wir, wenn es darum geht, auf andere zu hören, ihre Anliegen, Beweggründe und Befindlichkeiten zu verstehen. Bremsen sollen wir uns dabei, zu reden oder gar unserem Zorn Ausdruck zu verleihen. Dieser weise Rat vermeidet Missverständnisse und Streit.
So erlebt es Herr X. Im Büro beschwert er sich scharf über den muffigen Ton von Herrn Y, der daraufhin zurück giftet. Frau Z. nimmt ihn beiseite: „Hast du nicht gehört, was Herr Y heute früh von seinem Baby erzählt hat?“ „Wieso, der redet doch dauernd nur von seinem Baby, da höre ich gar nicht hin!“ „Sein Baby zahnt, er hatte eine schlechte Nacht“, erklärt Frau Z. Nun tut es Herrn X es leid, dass er so heftig war.  
Ein Antiquitätenhändler preist einen kunstvoll gearbeiteten Tisch an: „Er stammt aus dem 18. Jahrhundert. Sehen Sie einmal, die exakte und liebevolle Gestaltung. Also, für weniger als 2500 Euro kann ich Ihnen den Tisch nicht anbieten.“ „Für 2500 Euro nehme ich ihn“, erklärt der Kunde. Nachdem er bezahlt hat, fügt er hinzu: „Ich hätte den Tisch auch für 3000 Euro genommen, aber für 2500 Euro ist er mir noch lieber!“
Wir merken: Langsames Reden und schnelles Hören hätten  geholfen.  Was aber kann uns helfen, unsere „Pferde“ entsprechend zu steuern? Eine Hilfe kann es sein, uns klarzumachen, wie Gott uns sieht. Das Kreuz Jesu zeigt es uns: Wir sind unvollkommen und brauchen Gottes Gnade, aber wir sind wertvoll, so sehr, dass er seinen Sohn für uns gibt. Das zu bedenken, hilft uns, unsere Mitmenschen als wertvolle Schätze zu sehen. Dann werden sie es uns wert sein, dass wir auf ihre Anliegen, Beweggründe und Befindlichkeiten achten. Gott schenke uns dazu seinen guten Geist.

Ihre Pfarrerin

A. Weisensee