Andacht

 Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.    Ofb. 3,20

Lebhafte Gespräche, Lachen am Tisch bei der Betriebs- oder Vereins-weihnachtsfeier, das wird man dieses Jahr wohl fast nicht hören. Die Mischung aus Stimmengewirr, weihnachtlichen Liedern, Glocken an Pferdekutschen oder Karussellen wird man dieses Jahr auch kaum hören, denn Weihnachtsmärkte werden auch reduziert oder abgesagt. Festliche Chorklänge bei weihnachtlichen Konzerten sind ebenso kaum zu erwarten, wenn doch die Chöre gar nicht proben können. Viele fröhliche Töne, die zum Advent gehören, werden wir dieses Jahr wohl nur in geringem Umfang hören.
Vielleicht aber ist genau das die Chance, etwas anderes zu hören: ein leises Klopfen. Jesus klopft an, er will bei uns einkehren. Ihm dürfen wir öffnen, ohne auf Personenzahlen und Hausstände zu achten, denn er will in unsere Herzen einkehren. Er will zu uns kommen und uns seine Nähe zeigen. Er will uns sagen: „Ich gehöre zu dir wie deine Familie, mit der du den Tisch teilst. Ich bin dir jeden Tag so nahe wie im Abendmahl, selbst wenn du alleine zuhause sitzt. Ich bin nicht irgendwo am grünen Tisch, ohne zu ahnen, wie es dir geht. Ich kenne die Welt, schließlich bin ich in die Welt gekommen. Ich werde wieder kommen, und dann wird alles, was dich jetzt bedrückt, vorbei sein. Und auch jetzt bin schon bei dir, will dir Trost und Zuversicht geben, will dich durch dein Leben führen.“ Ja, vielleicht ist der etwas stillere Advent die Chance, uns dieser Botschaft Jesu zuzuwenden.
Und vielleicht entstehen dann zwar keine lauten, aber hoffnungsvolle Töne.
Hoffnungsvolle Töne in uns, weil wir spüren: Selbst in Zeiten der Isolation und Einsamkeit sind wir nie ganz allein. Und wenn sich gerade zu Coronazeiten diese nervigen Maßnahmen auch in die Länge ziehen und wenn alle Versprechungen, dass die Maßnahmen jetzt bestimmt helfen, nicht fruchten, so dürfen wir doch hoffen, dass Gott zu seiner Zeit auch diesem Problem ein Ende macht.
Vielleicht kommen aber auch hoffnungsvolle Töne aus uns heraus, weil wir uns gestärkt fühlen durch die Nähe Jesu. Vielleicht das Klingeln eines Telefons, wenn wir uns per Anruf um einen einsamen Freund oder Verwandten kümmern. Vielleicht ein freundlicher Dank an gestresste Verkäufer, eine humorvolle und Anspannung lösende Bemerkung in der Arbeit, ein „Ich helfe dir“, ein gutes Wort zur richtigen Zeit.
Ja, wahrscheinlich wird der Advent leiser sein als sonst. Aber ich wünsche uns, dass wir das Klopfen Jesu an unsere Tür des Herzens umso deutlicher hören und dass es in uns und um uns herum hoffnungsvolle, tröstende, ermutigende Töne nach sich zieht.
 
Ihre Pfarrerin

A. Weisensee