Andacht

Während ich diese Andacht schreibe, schnellen in unserem Land die Corona- Infektionszahlen wieder nach oben. Es wird schon wieder empfohlen, sich mehr zurückzuhalten mit Zusammenkünften, Treffen und Kontakten. Und dabei hatten wir so gehofft, dass es bei wenigen Infizierten bleibt und wir allmählich immer mehr zur Normalität zurückkehren können. Statt dessen: ein Rückschritt. Was wir jetzt brauchen, fand ich im 2. Petrusbrief auf gute Weise zusammengefasst: So wendet alle Mühe daran und erweist in eurem Glauben Tugend und in der Tugend Erkenntnis und in der Erkenntnis Mäßigkeit und in der Mäßigkeit Geduld und in der Geduld Frömmigkeit und in der Frömmigkeit brüderliche Liebe und in der brüderlichen Liebe die Liebe zu allen Menschen.  Dieser Gedanke gefällt mir sehr gut. gerade brauchen wir Tugend, also einen Glauben, der nicht nur im stillen Kämmerlein stattfindet, sondern uns auch zu guten Taten anstiftet, etwa Hilfsaktionen, Anteilnahme und Rücksicht. In der Tugend bekommen wir Erkenntnis, nämlich die Erkenntnis, wie gut es tut, wenn Menschen im Namen Gottes zusammenhalten und einander helfen. So können Frömmigkeit, Tugend und Erkenntnis uns gerade in der Coronazeit dazu bewegen, alles Nötige füreinander zu tun und den Zusammenhalt nicht aufzugeben. Aber es geht weiter: In der Erkenntnis brauchen wir Mäßigkeit, damit wir nicht überheblich werden, sondern auch mit einberechnen, dass manchmal auch andere Recht haben könnten. Das wünsche ich uns gerade in der Coronazeit, wo so viel diskutiert wird und wo es nicht zum Guten führt, wenn Menschen mit Tunnelblick nur ihre eigenen Ansichten akzeptieren. Es geht weiter: In dieser Mäßigkeit brauchen wir aber auch wieder Geduld mit denen, die noch nicht so weit sind und ihre Ansichten kategorisch als das allein Richtige ansehen. Wenn wir sie nur von oben herab verurteilen, verhalten wir uns ja im Grunde genau wie sie. Also ist Geduld gefordert. In dieser Geduld brauchen wir aber auch Frömmigkeit, die Bindung an Gott, damit wir bei aller Geduld uns trotzdem gegen eindeutiges Unrecht wenden und für das eindeutig Gute einsetzen. In dieser Frömmigkeit wiederum brauchen wir Nächstenliebe zu den Menschen um uns herum und zu allen Menschen, denn nur dann ist Frömmigkeit gut, wenn sie sich auch in guten Taten der Liebe äußert. Und dazu gibt es in dieser Welt in unserem Umfeld, aber auch weltweit gesehen so viel Notwendigkeit wie schon lange nicht mehr. Das, was unsere Verse beschreiben, ist sozusagen das Gegenteil von einem Teufelskreis, das ist eine Spirale, die zum Guten führen soll, und das können wir brauchen. Wie aber sollen wir diese Spirale schaffen? Wieder heißt es im 2. Petrusbrief: Alles, was zum Leben und zur Frömmigkeit dient, hat uns seine göttliche Kraft geschenkt. Bei Gott selbst bekommen wir also die Kraft zu allem Guten. Ihn dürfen wir um seinen heiligen Geist dafür bitten. Und so schenke uns Gott seinen guten Geist, damit wir uns in der Spirale bewegen, die zum Guten führt und damit uns das gerade in dieser Zeit zur Hilfe wird.
 
Ihre Pfarrerin

A. Weisensee