Ewigkeitssontag

Liebe Gemeinde!
Wir denken gemeinsam zurück an unsere Verstorbenen. Gemeinsam, das ist wichtig: Wir sind in unserer Trauer nicht allein, es gibt viele, die ebenfalls trauern.  Auch in der Bibel wird davon berichtet, zum Beispiel als Mose starb. Vielleicht können uns die dort geschilderten Erfahrungen zur Hilfe und zum Trost werden. Wir hören dazu 5. Mose 34,1-8 im Auswahl: 1 Und Mose stieg aus den Steppen Moabs auf den Berg Nebo, den Gipfel des Gebirges Pisga, gegenüber Jericho. Und der HERR zeigte ihm das ganze Land … . 4 Und der HERR sprach zu ihm: Dies ist das Land, von dem ich Abraham, Isaak und Jakob geschworen habe: Ich will es deinen Nachkommen geben. – Du hast es mit deinen Augen gesehen, aber du sollst nicht hinübergehen. 5 So starb Mose, der Knecht des HERRN, daselbst im Lande Moab nach dem Wort des HERRN. 6 Und er begrub ihn im Tal, im Lande Moab gegenüber Bet-Peor. Und niemand hat sein Grab erfahren bis auf den heutigen Tag. 7 Und Mose war hundertzwanzig Jahre alt, als er starb. Seine Augen waren nicht schwach geworden, und seine Kraft war nicht verfallen. 8 Und die Israeliten beweinten Mose in den Steppen Moabs dreißig Tage, bis die Zeit des Weinens und Klagens über Mose vollendet war.
Liebe Gemeinde!
Warum ausgerechnet jetzt? Diese Frage drängt sich oft auf, wenn jemand stirbt. Warum ausgerechnet jetzt in der Coronazeit, wo wir nicht ins Pflegeheim konnten? Warum ausgerechnet jetzt in der Coronazeit, wo unser Angehöriger lange, einsame Krankenhaus- aufenthalte mitmachen musste? Warum musste unser Angehöriger gerade jetzt sterben, wo wir gar nicht so gut Abschied nehmen konnten, wo eine große Bestattung mit vielen Menschen und Kaffeetrinken gar nicht möglich war? Oder vielleicht fragt auch manchmal jemand: Warum musste mein Angehöriger ausgerechnet jetzt sterben? Wir hätten doch so gerne noch manches zusammen erlebt, ein Familienfest oder Weihnachten oder einfach unseren harmonischen Alltag.
Warum ausgerechnet jetzt, das kann man auch bei Mose fragen. Warum musste er sterben, bevor er das gelobte Land hätte betreten können?  Bemerkenswert: Diese Frage wird in unserem Abschnitt gar nicht gestellt. Sondern das Sterben des Mose zu diesem Zeitpunkt wird einfach so hingenommen. Er starb nach dem Wort des Herrn. Und offenbar steckt darin die Gewissheit: Da Gott es so gefügt hat, ist es so richtig und gut. Zumal Gott den Mose im Sterben ja nicht allein lässt. Sondern er redet mit ihm, zeigt ihm das gelobte Land und begräbt Mose dann eigenhändig.
Warum ausgerechnet jetzt? Auf diese Frage werden wir oft keine befriedigende Antwort bekommen. Eigentlich passt Sterben doch eigentlich nie ins Leben.  Wohl jeder Mensch würde gerne etwas anderes mit seinem Leben anfangen, als krank oder alt zu werden und zu sterben oder einem Unfall zu erliegen. Unser Leben ist immer bruchstückhaft. Aber auch wir dürfen hoffen: Wenn Gott es so fügt, hat es irgendeinen Sinn, selbst wenn wir den nicht erkennen. Und: Gott lässt uns im Sterben nicht allein. Auch da, wo Menschen uns nicht mehr begleiten können, ist Gott für uns da. Das, was hier über Mose gesagt wird, ist nämlich kein Einzelfall. Sondern wir als Christen dürfen vertrauen: Eben, damit wir im Sterben und nach dem Sterben bei Gott in guten Händen sind, ist Jesus Christus gestorben und auferstanden.
Und so dürfen wir auch für unsere verstorbenen Angehörigen hoffen: Gott hat sie im Sterben nicht allein gelassen, sie sind auch jetzt bei ihm in guten Händen, und Gott schenkt ihrem Leben Sinn und Ziel. Die Hoffnung, dass für unsere verstorbenen Angehörigen alles gut ist, kann ein Trost sein.
Und doch, da gibt es noch diese andere Seite: den Alltag ohne unsere Verstorbenen. Mose war zum Beispiel der Führer seines Volkes, die Lücke, die er hinterließ, war groß. Und so geht es uns auch oft mit unseren Angehörigen: Die Lücke, die sie hinterlassen, ist groß. Der eine ist der ruhende Pol in der Familie, die andere vielleicht die, die alles zusammenhält. Manche sind vielleicht die gefragten Ratgeber gewesen oder diejenigen, die immer Optimismus und gute Laune in die Familie gebracht haben. Und wir spüren ihr Fehlen im Alltag: wenn der Platz leer ist, wenn wir unseren Verstorbenen gerne dies oder das erzählen würden, wenn uns wieder ihre Sachen in die Hände fallen und an vielen anderen Ecken und Enden. Wie damit fertig werden?
Das Volk Israel weinte um Mose 30 Tage, bis die Zeit des Weinens und Klagens vollendet war. Da stecken wichtige Hinweise für die Trauer drin. Zum Einen: Trauer braucht Zeit. Die 14 Tage, die heutige Psychologen da oft veranschlagen, sind lächerlich wenig. Andererseits: Trauer ist irgendwann vollendet, das heißt: Wir müssen nicht unser ganzes Leben und immer trauern, sondern wir dürfen uns dem Leben auch wieder zuwenden und uns daran freuen.
Für uns heißt das: Beides darf sein. Wir müssen nicht um jeden Preis Haltung bewahren, sondern wir dürfen weinen, klagen und trauern. Wir dürfen unsere Trauer ausleben. Andererseits: Wir dürfen ebenso auch wieder nach vorne sehen, wieder lachen und uns des Lebens freuen.
Beides hat seine Zeit, und diese Zeit muss jeder und jede für sich herausfinden. Die lässt sich nicht verordnen. Diese Zeit hat etwas mit den Umständen und unserer Persönlichkeit zu tun. Bei vielen wechselt Trauer mit Lebensfreude ab, andere haben vielleicht eine Phase, wo die Trauer ihr Leben beherrscht, aber können sich danach auch wieder ins Leben einfinden.
Sterben hat seine Zeit, Trauer hat seine Zeit, Trost hat seine Zeit, Freude hat ihre Zeit. Und diese Zeit ist bei Gott in guten Händen. Ich wünsche uns, dass wir das spüren und dass uns das immer wieder Trost und Kraft gibt. Amen.

Guter Gott, bei dir sind wir in guten Händen. Dir dürfen wir uns anvertrauen. So kommen wir zu dir mit all unseren Gedanken und Erinnerungen, auch unserem Schmerz und unserer Trauer.  
Guter Gott, dir dürfen wir danken. So kommen wir zu dir mit unserem Dank für alle guten und schönen Dinge, die wir mit unseren Verstorbenen erlebt haben.
Guter Gott, dir dürfen wir klagen: Vor dich bringen wir die Zeiten, wo wir es schwer mit unseren Verstorbenen hatten.
Das alles legen wir vertrauensvoll in deine Hände und bitten dich: Hilf, dass unsere Trauer sich wandelt in dankbare Erinnerung.
Guter Gott, bei dir sind wir in guten Händen. So vertrauen wir dir unsere Verstorbenen an und bitten dich: Lasse sie die Freude, Erlösung und Herrlichkeit erfahren, die du verheißen hast. Stärke und tröste uns durch die Gewissheit, dass unsere Verstorbenen bei dir wirklich in guten Händen sind.  
Guter Gott, bei dir sind wir in guten Händen. So bitten wir dich: Stehe du uns bei,  nicht nur in den guten Zeiten, sondern auch in den schweren Zeiten. Nimm dich unser an in der Trauer.  Wir bitten dich: Lass uns deine Liebe gerade dann fühlen, wenn wir Fragen und Zweifel haben. Lass uns deine Nähe gerade dann spüren. wenn wir uns einsam fühlen. Mache uns deiner Vergebung gerade dann gewiss, wenn wir das Gefühl haben, unseren Verstorbenen etwas schuldig geblieben zu sein. Lass uns deinen Trost gerade dann spüren, wenn uns Traurigkeit übermannt. Lass uns Stärkung gerade dann erfahren, wenn wir uns schwach fühlen und nicht wissen, wie wir die Kraft zum Leben ohne unsere Verstorbenen aufbringen sollen.
So lass uns spüren, dass du unser Licht bist und wir bei dir in guten Händen sind. Amen.  

Vater unser im Himmel. Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Es segne und behüte dich der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und